Bondora – Der ultimative Test nach 18 Monaten – Teil 1

Sind P2P Kredite bei Bondora nun ein gutes Investment? Oder ist Bondora nur ein professionell gemachter Scam? Oder ist Bondora irgendwas dazwischen. Wirklich sicher beantworten kann man diese Fragen erst, wenn das eingesetzte Geld und hoffentlich auch Zinsen zurück am eigenen Konto sind … und genau das hab ich jetzt nach 18 Monaten gemacht. In diesem Artikel bekommt ihr alle Zahlen und Fakten zu meinem Investment bei Bondora und was wirklich bei mir angekommen ist.

Start

So richtig gestartet habe ich im März 2019 mit einem Gesamtinvestment von 6.000 EUR das ich die Monate davor in drei Tranchen von 1.000, 2.000 und 3.000 Euro auf Bondora eingezahlt habe. Eigentlich wollte ich Grow and Go verwenden, aber nachdem ich ein paar Blog-Artikel über Bondora gelesen hatte, habe ich im März dann die 6.000,- via Bondora Portfolio Manager angelegt.

In meiner Cashflow-Auswertung sieht das dann so aus. Schon mal relativ schräg, weil von Anfang an ein Gap zwischen „Geplant“ und „Erhalten“ war. Diese Differenz wird auch immer größer, aber man sieht eigentlich keinen Knick im März 2020 wegen Corona (oder vielleicht nur einen ganz kleinen). Aber vielleicht ist das normal und wenn die Gesamtrendite stimmt, ist das ja kein Problem.

Bondora Cashflow

Also schau ich mir mal mein Dashboard an, und nach 18 Monaten zeigt mir jetzt mein Bondora Dashboard folgende Werte an:

Bondora Dashboard

Aktueller Gesamtwert meines Portfolios sind 7.802,- was einen Reingewinn von 1.772,- bei einer Rendite von 6,59% ausmachen würde. Das hört sich eigentlich schon mal Okay an, aber kann ich über dieses Geld wirklich verfügen oder sind das einfach irgendwelche Werte und vielleicht bekomme ich das Geld überhaupt nicht mehr oder erst in Monaten wieder aus Bondora raus? Könnte ja sein? Ausprobieren.

Geld abheben

Na dann, einfach mal auf den Menüpunkt: Geld abheben gehen und staunen. Nur 0,14 EUR verfügbar. Eh klar, ist ja alles verliehen und man kann es nicht einfach abheben. Aber es gibt doch sicher Möglichkeiten mein Investment wieder zu „befreien“?

Verkauf – Erster Versuch – „Einfach verkaufen“

Es gibt einen Button im Bereich „Investitionen“ mit der Beschriftung „Verkaufen Sie Ihr Portfolio ganz leicht“. Wenn man diesen Button anklickt kommt man auf folgende Seite mit diesem verlockenden (Sarkasmus) Angebot …

Hier kann ich also mein Portfolio in Go&Grow umwandeln und zwar bietet mir Bondora dafür 6.061,04 EUR. Obwohl es eigentlich / angeblich 7.550,- Wert sein sollte. Was die Zeile „Aktueller Nettogewinn“ hier bedeutet, erschließt sich mir nicht und warum mein Nettogewinn nach Verkauf 163 EUR sein sollen weiß ich ebenfalls nicht. Ich hatte ja mit 6000 gestartet und das wären dann eher 61,04 Nettogewinn … aber sowieso egal … das scheint mir nicht die beste Option zu sein.

Darunter kommt noch ein Block mit Kleingedrucktem das jetzt nicht wirklich viel Licht ins Dunkel bringt … ich hab es euch dennoch mal gescreenshottet …

Sidenote der kleine freudsche Verschreiber: „Biz zu 6,75 %* p. a.“ … wirklich gutes „Biz“ für Bondora. ;P

Nächster Versuch – Sekundärmarkt – Selbst ist der Verkäufer

Es gibt ja einen sogenannten Sekundärmarkt, auf dem die Darlehen gekauft und verkauft werden können. Anscheinend gab es dort vor kurzem eine Änderung weil man muss jetzt nochmal folgenden Screen bestätigen und es gibt noch keine Übersetzung ins Deutsche …

Die aufgeführten Punkte sind mir klar und habe ich bereits X-mal bestätigt, warum das für den Sekundärmarkt nochmal gesondert notwendig ist, hat sicher Gründe, aber ich kenne diese Gründe nicht. Nachdem ich „to all agreed“ habe, bekommt die Investitionen-Ansicht neu Spalten mit kleinen Einkaufswagen und oben Buttons für den Verkauf dieses Warenkorbs. Zum Test lege ich mal händisch die erste Seite meiner laufenden Darlehns in den Warenkorb und klicke auf „Alles verkaufen (25 Darlehen)“.

Es erscheint folgender Screen: Sie haben erfolgreich Darlehen verkauft … „Nice, das ging einfach“ denke ich und lese weiter … „90 Tage … nicht gekauft … zurückgerufen … wieder hinzufügen.“ … what? Habe ich jetzt verkauft oder nicht … ich bin verwirrt und gehe davon aus, dass ich vielleicht maximal 90 Tage warten muss um wirklich zu sehen ob die Darlehen von jemand anderen übernommen werden. Also gar kein echter „Verkauf“ sondern mal nur „Angeboten“ am Sekundärmarkt? Ich checke den Menupunkt „Withdraw“ … seit der englisch Einwilligung ist mein Menu auf Englisch … „Auszahlung“ stand da vorher.

Nächste Überraschung … ich kann mir angeblich 25,- EUR auszahlen lassen. Also genau der Betrag den die verkauften oder angebotenen Darlehen ausmachten. Hmmh … das verwirrt mich jetzt noch mehr … egal … ich probier mal was … alles raus.

Es gibt einen Button: Alles in den Warenkorb. Alles ist in diesem Fall mit 1000 gedeckelt und ich habe dann 1000 Darlehns von meinen insgesamt 3300 im Verkaufskorb. Dann „Alles verkaufen“ für 1133,54 EUR, die Übersicht fehlt leider etwas bei so vielen Contracts. Ich scrolle 10 Seiten zu je 100 Einträgen durch und die meisten bewegen sich um die 1 EUR … 1133,- kann also stimmen … aber sicher könnte man sich nur sein wenn man jeden einzelnen nachprüft … naja … „Alles verkaufen“ und nochmal bestätigen …

Beim ersten verkauf musste ich noch einen PIN Code eingeben, der mir mittels E-Mail gesendet wurde. Das ist jetzt nicht mehr notwendig. Ich checke wieder den Abhebe-Screen … 475,36 … hmmh … Reload … 558,01 … ohh … anscheinend werden die Darlehen jetzt gerade wirklich Stück für Stück weiterverkauft … ich warte ein paar Minuten und überlege mir ob die restlichen 2300 Darlehen dann wirklich die restlichen 6000,- Euro bringen werden … ich bin skeptisch. Reload. 1022,21 … Reload. 1022,21 … Reload … 1022,21 … hmmh da fehlen jetzt ca. noch 130,- Euro … wo sind die abgeblieben … ich geh mal auf die Suche.

Die unverkauften Darlehen sieht man in der Investment-Liste mit dem Datum wo sie eingestellt wurden und einem Abbrechen-Icon. Ich warte noch ein paar Minuten und hoffe das die restlichen auch noch verkauft werden können …

Fast alle der unverkäuflichen Kredite haben einen orangen oder roten Status: „Ausständig“ oder „60+ Tage Ausständig“ … die will anscheinend keiner so gern haben … verständlich. Das verfügbare Guthaben verändert sich nicht mehr und ich entscheide mich dafür den Test weiterzuführen … alles verkaufen was geht …

Also nochmal 1000 Kredite zum Preis von 1376,- EUR und dann nochmal 1000 Kredite zum Preis von 2484,- EUR und 343 Kredite zum Preis von 3210,- EUR … what? … die Verteilung kommt mir etwas schräg vor aber der Gesamtwert wäre fantastisch … zusammen würde das 8203,- EUR ausmachen. Allerdings weiß ich ja schon, dass ich nicht alle verkaufen werde können und bin mal gespannt was in den nächsten Minuten wirklich an Verkäufen durchgeht.

Der Endstand an diesem Tag waren 1378 unverkäufliche Kredite, alle mit einem roten oder orangen Status und im Volumen von 4911,- EUR.

Und wie gehts weiter?

Im nächsten Teil werde ich auflösen, ob noch weitere Kredite über den Sekundärmarkt verkauft werden konnten. Wie lange ich auf die ausständigen Kredite warten muss, wenn kein Verkauf möglich ist. Ob ich jetzt wirklich 8203 oder 3500 oder irgendwas dazwischen herausbekommen werde und ob die Auszahlung auf mein Konto erfolgreich durchgegangen ist. Es bleibt spannend. Der ultimative Bondora Test geht weiter …

5 Kommentare zu „Bondora – Der ultimative Test nach 18 Monaten – Teil 1“

  1. Man sagt ja „Versuch macht klug“, aber vielleicht hättest du dich vorher ein bißchen informieren sollen. Du hast nun im Prinzip deine ganzen laufende guten Kredite verscherbelt und sitzt nun nur noch auf den ausgefallenen. Die grünen Kredite hättest du auch mit ein paar Prozent Aufschlag losbekommen, dann hättest du das Geld zwar nicht sofort sondern vielleicht erst alles in 1-2 Wochen verkauft gehabt. Das dir die roten Kredite jemand so abkauft, darauf kannst du lange warten. Rote Kredite muss man mit so 80% Abschlag oder mehr anbieten, damit sie jemand kauft. Würde vielleicht mit ein bißchen niedrigeren Abschlag beginnen und dann alle Woche den Abschlag erhöhen bis du sie alle los hast.

  2. Du wirst das so nicht verkauft bekommen. Das war nicht so clever, die guten Krediten ohne Aufschlag rauszuhauen und die miesen zu behalten. So funktioniert Bondora in der Tat nicht.

  3. Danke für eure Kommentare. Es geht in der Serie genau um diese Fehler die man eher vermeiden sollte. Denn auch wenn Bondora sich möglichst nutzerfreundlich gibt, und einfach gestaltet ist, gerade in den vielen Zahlen, Auswertungen und Möglichkeiten liegt der Hund begraben.

    Nachdem hier auch echte P2P Profis unterwegs sind. Bitte gerne auch eure Blogs oder konkrete Posts zur Liquidation von Portfolios verlinken.

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