Nie wieder Arbeiten mit der 4-Prozent-Regel

Wieviel muss man gespart haben um von den Zinsen zu leben? Wenn du von einem passiven Einkommen durch Zinsen träumst, dann wirst du dir diese Frage früher oder später mal stellen müssen.

Die allgemeine Antwort wäre: Du legst zuerst fest wieviel Geld du pro Monat brauchst. Dann siehst du dir die Zuwächse deiner Investments an. Zuletzt ziehst du Inflation und Steuern ab. Und dann weißt du wieviel du sparen musst um in Rente zu gehen.

Leider ist es nicht ganz so einfach. Immerhin ist nicht jedes Jahr gleich. Zinsen und Inflation schwanken. Es gibt gute, sehr gute, schlechte und sehr schlechte Jahre. Wie soll man denn sowas ausrechnen? Die gute Nachricht: Es wurde schon mal ausgerechnet. Hier kommt William Bengen und Trinity-Studie ins Spiel.

William Bengen war Finanzberater und hat sich 1994 angesehen, wie sich der amerikanische Aktien- und Anleihen-Markt zwischen den Jahren 1926 und 1994 entwickelt hat. Genauer gesagt, ging es darum eine Entnahmestrategie zu finden, um ein Vermögen als Rente zu nutzen. Viele Menschen gehen so zirka mit 60 Jahren in Rente. Darum durfte das Vermögen mindestens 30 Jahre lang nicht aufgebraucht werden, wenn man jährlich einen Betrag entnimmt.

Der Finanzberater hat ein fiktives Vermögen von 100.000 Dollar in Aktien (S&P 500) und US-Anleihen investiert. Danach hat er für unterschiedliche Szenarien durchgerechnet was mit dem Ausgangskapital über die nächsten 50 Jahre passiert wäre, wenn man einen bestimmten Prozentsatz jährlich entnommen hätte. Dieser Prozentsatz wurde an die Inflation angepasst. Die Berechnung hat der Rentenexperte für die Startjahre 1926 bis 1976 durchgeführt.

William Bengen stellte fest: 4 Prozent pro Jahr sind eine sichere Entnahmerate (Safe Withdrawal Rate oder auch SAFEMAX Rate) damit vom Ausgangskapital nach 30 Jahren sicher noch was übrig ist. Im original Dokument: Determining Withdrawal Rates Using Historical Data, findet man noch weitere Informationen und Diagramme. Zum Beispiel gilt die 4-Prozent-Regel für fast alle Startjahre, meistens würde das Kapital sogar 50 Jahre reichen. Bei 5 Prozent sieht es schon deutlich schlechter aus, da kommt man manchmal nur 20 Jahre aus.

Therefore, I counsel my clients to withdraw at no more than a four-percent rate during the early years of retirement …

William Bengen

Aktien und Anleihen? Bengen hat ebenfalls alle möglichen Varianten der Asset-Verteilung durchgerechnet und dabei stellte sich heraus, dass der Aktienanteil zwischen 50 % und 75 % liegen sollte. Je höher der Anteil, desto stärker wächst das Vermögen in den meisten betrachteten Jahren, dafür steigt allerdings für wenige Startjahre das Risiko, dass die Rente sich verkürzt.

I think it is appropriate to advise the client to accept a stock allocation as close to 75 percent as possible, and in no cases less than 50 percent.

William Bangen

Wer ist schon William Bengen? Der kann ja viel erzählen wenn der Tag lang ist! Kann das überhaupt alles stimmen? Ja. Die Berechnungen wurden mittlerweile vielfach geprüft, unter anderem auch von einigen Wissenschaftlern der Universität von Texas. In der Trinity Studie von 1998, wurden die Aussagen von Bengen überprüft und erweitert.

Ein grundsätzliches Problem an der Entnahmestrategie von Bengen ist, dass er einen 100%igen Erfolg voraussetzt. Also eigentlich vom Worst-Case-Szenario ausgeht, denn in den meisten Fällen hätte man viel mehr als 4 Prozent entnehmen können, ohne das das Kapital zur Neige geht. In der Trinity-Studie wurde die Entnahmestrategie um Erfolgswahrscheinlichkeiten erweitert. Es wurde errechnet wie wahrscheinlich es ist, dass man bei einer bestimmten Variante, nach 30 Jahren noch Kapital übrig hat.

Das Trinity-Dokument findet man ebenfalls im Orginal online und es enthält diese übersichtlichen Tabellen, wo alle Varianten und Wahrscheinlichkeiten dargestellt sind. Man sieht, dass die Aussagen von Bengen bestätigt wurden. Bei einer Entnahme von drei oder vier Prozent mit einer Beimischung von 50 oder 75 Prozent Anleihen ergibt sich eine 100%ige Chance das 30 Jahre lang eine Rente bezogen werden kann.

Man sieht aber auch viele andere Varianten mit höheren Entnahmeraten und anderen Zusammenstellungen, die eine maximale Sicherheit oder nahe daran garantieren. Gerade die Jahre ab 1946 scheinen sehr gut gelaufen zu sein und man könnte bis zu sieben Prozent jährlich entnehmen ohne das man sein Kapital in 30 Jahren aufbrauchen würde.

Vorsicht. Ein wichtiges Thema wurde bei beiden Studien außer Acht gelassen. Die Entnahme wurde nicht versteuert. Wahrscheinlich weil es um Rentenzahlungen ging und es dafür in USA spezialle Steuergesetze gibt, und dann keine oder sehr niedrige Steuern anfallen. Bei uns würden aber solche Erträge als Kapitalertrag zu versteuern sein. Natürlich immer nur der Teil der wirklich pro Jahr als Zinsen hinzugekommen ist.

Ein Beispiel. Wie könnte deine Rente aussehen wenn du wirklich nur 4 Prozent pro Jahr entnimmst und dein Vermögen in Aktien und Anleihen angelegt hast? Je nachdem wieviel Geld du pro Monat ausgeben willst, brauchst du zwischen 450.000 und 900.000 Euro Kapital.

Monatliche AusgabenJährliche AusgabenNötiges Kapital laut 4 %-Regel
1.50018.000450.000
2.00024.000600.000
2.50030.000750.000
3.00036.000900.000

Die 4-Prozent-Regel gibt dir einen guten Anhaltspunkt wann du genug gespart hast, um von deinem Vermögen zu leben. Die Summen scheinen vielleicht zuerst ziemlich groß zu sein, jedoch wenn du meinen Artikel über Zinseszins gelesen hast, weißt du schon, das man sogar mit wenig Geld und Ausdauer ein schönes Kapital ansparen kann.

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