Bondora – Der ultimative Test nach 18 Monaten – Teil 2

Neuer Tag, neues Glück. Der Bondora-Test geht weiter (siehe Teil 1), immer noch sitze ich auf fast 1400 unverkäuflichen Krediten und es fehlt noch ca. die Hälfte meines Kapitals plus erhofften Zinsen. Was könnte man jetzt noch probieren?

Seit dem Start des Tests ist jetzt ca. ein halber Arbeitstag vergangen, ich hatte gehofft, das vielleicht dann einige der noch unverkauften Kredite sich abstoßen lassen. Allerdings hat sich die Zahl meiner zum Verkauf markierten Darlehen nicht verändert und ich wundere mich, ob man die Kredite vielleicht mit Rabatt loswerden könnte.

Zum ersten Post sind auch Kommentare rein gekommen. Kurz zusammengefasst: Die guten Kredite nur mit Aufschlag verkaufen und die schlechten bekommt man nur mit einem hohen Abschlag verkauft … ich teste ob das stimmt.

Am oberen Ende meiner unverkäuflichen Kredite sind 8 Stück mit jeweils 25 EUR die ich mit 1 – 8% Rabatt anbiete. Ich hab keine Ahnung ob das irgendwas bringt oder einfach komplett sinnlos ist und unverkäuflich auch unverkäuflich bleibt.

Zumindest Live ändert sich nichts. Es gibt also keinen Kauf-Bot der Rabatte in dieser Höhe berücksichtigt und ich frage mich ob es helfen würde wenn ich die Rabatte von 10 – 80% staffeln würde?

Keine Reaktion. Rot bedeutet anscheinend nicht nur „überfällig 60+“ sondern auch „unverkäuflich“. Vielleicht funktioniert es mit orangen Krediten besser? Ich scrolle durch die Liste und merke erst jetzt, dass fast alle einen roten Status haben und ich nur vereinzelt Kredite mit „nur“ überfällig-Status besitze. Das macht es sicher nicht leichter an mein Geld zu kommen.

„Immer positiv bleiben“, denke ich mir und suche Rat im allwissenden Internet. Ich finde die Bondora-Hilfe-Seite zum Thema „Wie liquidiere ich mein Portfolio?“ … dort lese ich folgendes …

„Ein grundlegender Unterschied zwischen Go & Grow und Portfolio-Manager bzw. Portfolio Pro ist die Liquidität.„Go & Grow Benutzer können Ihre Investition jederzeit durch einen Klick auf „Abheben“ einfach liquidieren.“ … für Portfolio-Manager- und Portfolio Pro-Benutzer gilt: „Bitte beachten Sie, dass das Investieren auf Bondora eine langfristige Anlage ist, d. h. idealerweise mit einem Horizont von mehr als 5 Jahren. Derzeit können Sie nur sicherstellen, dass Sie Ihre Rendite bei einem Ausstieg nicht beeinträchtigen, indem Sie Reinvestitionen stoppen und Ihr Portfolio abbauen, das heißt, sich das Geld in Form der monatlichen Rückzahlungen der Kredite auszahlen lassen. … Ei Ei Ei … das ist also der Haken der höheren Renditen bei den selbst verwalteten Portfolios, ich gehe wieder auf die Investitionen-Seite und checke die Laufzeit der aktuellen Kredite: 2024, 2025, 2024, 2024, … da ist noch etwas hin bis ich an mein Geld komme.

Aber okay, ich brauche es jetzt nicht und wenn ich dann in 4-5 Jahren eine gute Rendite mache, dann ist doch alles wunderbar. Ich sehe mir mein Dashboard an und es hat sich kaum verändert … gestern wurde mir 6,59% Rendite gezeigt, heute sind es immer noch 6,59% mit dem Unterschied, dass ich jetzt wieder 3.475,- EUR in der Brieftasche habe.

Ich klicke auf das kleine Zahnrad und bekomme eine Maske mit Einstellungen und einem Forecast für einen möglichen Gewinn am Ende der Laufzeit meiner Kredite.

Ich versuche mir das mal selber herzurechnen unter Zuhilfenahme meiner Investitionsliste und dabei würden folgende Zahlen raus kommen.

92% Kapital (laufend und überfällig)1.298
76% Zinsen (laufend und überfällig)238
35% Kapital (in Verzug)1.303
0% Zinsen (in Verzug)0
Summe offener Kredite2.839
Brieftasche3.475
Am Ende der Laufzeiten6.314

Nicht sooo rosige Aussichten. Selbst wenn ich beim Verkauf meiner gut-laufenden Kredite ein paar Prozent aufgeschlagen hätte, dann käme ich maximal auf 6.500,-

Was sind jetzt die wichtigsten Learnings die man daraus ableiten kann?

  1. Eine Liquidation eines Portfolios ist faktisch nicht möglich und eine Teil-Liquidation total sinnlos. Man kann nur die gut-laufenden Kredite verkaufen aber genau die bräuchte man, weil man nur mit denen den Ertrag erwirtschaftet. Die einzige sinnvolle Möglichkeit ist warten und nicht Reinvestieren und damit die Kreditsumme langsam abbauen.
  2. Alle Zahlen die auf Dashboards oder in Berichten (die Zukuft betreffend) präsentiert werden sind grob fragwürdig. Einen Forecast über einen Zeitraum von mehreren Jahren kann man nicht vertrauen und dabei sind viel zu viele offene Variablen als das man hier irgendwas ableiten kann.
  3. Ein aktives Management eines Portfolios ist sehr unübersichtlich. Tausende Micro-Kredite kann man nicht überblicken und einzeln handeln. Die Tools die derzeit dafür angeboten werden, sind nicht ausreichend.
  4. Wer mit dem Gedanken spielt, irgendwann sein Investment herauszunehmen sollte eher mit Bondora Go&Grow starten. Dort kann man immer auf das Geld zugreifen, dafür sind die Zinsen aber gedeckelt. Ein nachträglicher Wechsel zu Go&Grow kommt einer Liquidation gleich und es treffen die Aussagen von Punkt eins zu.

Mein Fazit: Diese Punkte sollte man wissen bevor man überhaupt mit (Bondora) P2P Krediten startet. Denn im Fall des Falls ist man gebunden und kann nicht mehr so schnell raus. Das Investieren in P2P Kredite scheint einfach zu sein, die Plattformen präsentieren sich auch so, aber im Detail sollte man einige Dinge beachten um damit wirklich gute Renditen erzielen zu können. Eine Voraussage wo man in ein paar Jahren wirklich rauskommt ist quasi unmöglich und von vielen Faktoren abhängig.

Wer jetzt dennoch oder gerade deshalb mehr über P2P Investing lernen möchte, dem empfehle ich die folgenden Blogs: P2P Erfahrungen von Oktaeder – mehr als zehn Jahre Erfahrung im P2P Kredite Investing und viele Infos, auch wirklich Detailwissen zum Thema. Und P2P Game – Ein Investment Tagebuch von Thomas mit vielen Praxistipps und Insights in seine persönlichen P2P Investments.

1 Kommentar zu „Bondora – Der ultimative Test nach 18 Monaten – Teil 2“

  1. Danke Andreas für deine Verlinkung!
    Bei einem klassischen Bondora Invest kann man einiges falsch machen, viel lernen und viel rumexperimentieren und vielleicht auch mit vernünftiger Rendite rauskommen – wer darauf keine Lust hat lässt es lieber sein gibt ja schon auch Alternativen (nein ich meine nicht Go & Grow) grüße
    Thomas

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.