finanzielle-freiheit.club

Finanzielle Freiheit. Jeder kann es schaffen. Jetzt anfangen.

Clever Investieren

Ein Jahr P2p Kredite. Zinsen, Ausfälle und Erfahrungen

Nach dem ersten Jahr P2P Investing ist es jetzt Zeit um Bilanz zu ziehen. Welche Plattform hat die meisten Zinsen gezahlt, welche die größten Ausfälle zu verzeichnen gehabt und konnte überhaupt das gesamte Kapital durchgängig verliehen werden?

Gleich vorweg gesagt. Selbst nach einem ganzen Jahr P2P-Lending kann ich noch immer nichts Negatives berichten. Ich habe Geld auf vier unterschiedlichen Plattformen investiert: Bondora, Iuvo, Mintos und Twino. Bei allen Plattformen war das Anlegen des Kontos und das Investieren in Kredite ein Kinderspiel. Einen Vergleichsartikel darüber habe ich schon vor einigen Monaten geschrieben. Jetzt wollte ich wissen ob alle Plattformen ähnliche Zinssätze und Ausfallraten haben. Dazu habe ich mal einige Daten erhoben und ausgewertet.

Daten im Vergleich

Alle Plattformen weisen einen sogenannten XIRR (den erweiterten Zinsfluss) aus, mit dem man die Erträge objektiv vergleichen kann. Der XIRR scheint bei allen Plattformen ähnlich berechnet zu werden. Hier die Beschreibung von Bondora …

Bondora XIRR Berechnung

Weiters habe ich noch berechnet wie viel Geld pro Plattform in 2019 wirklich ausgezahlt wurde. („Auszahlungen 2019“). Also der Prozentsatz der bisher erhaltenen Zinszahlungen auf Basis meiner ursprünglichen Einzahlung. Da die Investments ziemlich zum selben Zeitpunkt passiert sind, kann man auch diese Zahl gut vergleichen. Die „Auszahlungen“ wurden durch die Auto-Investfunktion dann sofort wieder Reinvestiert und nicht wirklich ausgezahlt.

An der „Anzahl der Kredite“ sieht man wie stark dein Kredit-Portfolio diversifiziert wird. Bondora stückelt die Kredite teilweise auf einen Euro. Bei den anderen Plattformen sind es min. 10 Euro. Der maximale Betrag eines einzelnen Kredits lässt sich konfigurieren und ist bei mir immer auf 40 Euro eingestellt.

Durchschnittlicher Kreditzinssatz: Je nach Risiko weisen die einzelnen Kredite unterschiedliche Zinssätze auf. Je risikoreicher desto höher ist der Zinssatz. Bei Twino und Mintos werden nur Kredite mit Zinssätzen zwischen 8% und 12% vergeben. Bondora vergibt auch Kredite mit bis zu 73% Kreditzinsen (zum Beispiel in Spanien … WTF) und das ist auch der Grund für den hohen XIRR.

Wie ich im letzten P2P Post bereits festgestellt habe sind ein hoher Anteil der „Kredite in Verzug“. Pro Plattform wird das in einigen Stufen, basierend auf Tagen ausgewiesen. Also Kredite die 1- 14 Tage in Verzug sind, 14 – 30, 30-60 Tage. Ich habe alle Kredite die in Verzug sind zusammengerechnet und einen Prozentsatz von der „Anzahl Kredite“ berechnet. Den höchsten Verzug sieht man bei IUVO, wo über 63% meiner 217 Kredite derzeit zu spät bezahlt werden.

Ausfall: Auf den meisten Plattformen wird auch ausgewiesen wieviele Kredite ausgefallen sind. Derzeit sind das überall noch immer 0 Euro. Da alle Plattformen verschiedene Rückkaufgarantien anbieten und sich somit anscheinend alle realen Ausfälle für Anleger vermeiden lassen.

Nicht investiertes Geld ist ein Problem bei P2P Plattformen, denn es liegt dann so auf einem Konto rum und erwirtschaftet keine Zinsen. Darum sollte immer das gesamte Kapital und alle Zinsen investiert bzw. reinvestiert sein. Leider schaffen das nicht alle Plattformen gleich gut, es scheint mehr Geld als Kreditnehmer zu geben. Bei Twino und Mintos sind derzeit immer ein paar Prozent meines Geldes nicht vergeben, obwohl ich relativ risikoreiche Einstellungen bei der Auto-Invest Funktion gewählt habe.

BondoraTwinoMintosIUVO
XIRR laut Plattform13,16%8,28%10,80%13,63%
Auszahlungen21,55%8,2%8,6%9,3%
Anzahl Kredite2126105225217
ø Kreditzinssatz37,15%13,75%10,22%9,0%
Kredite in Verzug33%32%22%63%
Ausfall6 € *0 €0 €0 €
Nicht investiert0 %5,2%6%0%

* Es werden im Bericht bereits 81 Euro als „Rückfluss unwahrscheinlich“ angezeigt.

Risiko und Rückkaufgarantien

<Um den Zahlen beim Verzug und den bisherigen Ausfällen etwas näher auf den Grund zu gehen haben ich mir nochmal angesehen was die jeweiligen Plattformen tun, um meine Kredite abzusichern.

  • IUVO: Der Kreditvergeber kauft automatisch alle Kredite zurück die länger als 61 Tage im Verzug sind.
  • Bondora: Es wird darauf verwiesen das Bondora ein mehrstufiges Eintreibungsverfahren hat und außerdem die Ausfallraten in den Ländern relativ stabil sind. Die Ausfälle sind also schon in den Kreditpreis eingerechnet.
  • Twino: BuyBack und Zahlungsgarantie. Bei beiden Varianten sind sowohl das eingesetzte Kapital als auch die Zinsen gesichert.
  • Mintos: BuyBack Garantie auf Kreditbasis. Mein Portfolio ist so eingestellt das ich derzeit nur Kredite mit BuyBack vergebe.

Zusammengefasst: Bei Twino, Mintos und IUVO sind derzeit alle meine Kredite durch eine BuyBack Garantie abgesichert. Teilweise weil sowieso alle Kredite so gesichert werden (zB.: IUVO) oder weil ich mein Auto-Invest so eingestellt haben (zB.: Twino, Mintos).

Bei Bondora ist der Umgang mit Ausfällen komplett anders als bei den anderen Plattformen. Dort wird wirklich mit dem Ausfall gerechnet und der wird auch an den Investor weitergegeben. Das Risiko ist aber angeblich überschaubar und bereits in die Zinsen eingepreist und sollte sich nicht so schlimm auf meine Investition auswirken. Derzeit hat es sich kaum ausgewirkt. Absehbar ist bis jetzt ein Ausfall von 1,6%, der aber bei der XIRR Berechnung von Bondora schon berücksichtigt ist.

Ein Fazit

Bisher kann ich eigentlich nur Positives über P2P Kredite, als Investmentform, berichten. Je nach Berechnungsmethode habe ich für das Jahr 2019 einen Ertrag zwischen 11% und 12% erwirtschaftet und das komplett ohne mein Zutun. Also real passive Income. Im Vergleich dazu hat der MSCI World Index im Jahr 2019 gut 25% gemacht. Was natürlich nicht immer so ist 🙂

Die diversen Risiken dieser Anlageform schwirren dennoch immer in meinem Hinterkopf herum und ob ich wirklich größere Summen in P2P Kredite anlegen würde kann ich derzeit noch nicht mit Ja beantworten. Das ist allerdings nur durch Gefühle und nicht rational begründbar.

  1. Der rege Zinsfluss hat schon was – man darf sich nur nicht zu sehr davon blenden lassen 😉
    Wenn du dein Gefühl bezgl. Der Investitionshöhe und der Risiken in P2P ein wenig festigen möchtest dann schau mal bei mir in den Artikel zu den Risiken: http://p2p-game.com/grundlagen-eine-ganze-menge-an-risiken-die-man-sich-mit-p2p-in-sein-portfolio-holt-%f0%9f%a6%88 mehr als 10% in P2P würde ich niemanden empfehlen 😉
    Auf die 11% Rendite kam ich dieses Jahr auch – allerdings nicht dank Bondora da bin ich froh wenn irgendwann (2 Jahren) ich echten Gewinn machen werde… Ansonsten ist P2P halt neben den verlockenden Zinssätzen eine super spannende Spielwiese ich „tanz“ auf nunmehr 21 Plattformen: http://p2p-game.com/2019-ist-vorbei-2020-startet-meine-21-p2p-plattformen-eine-blogrekapitulation-und-wie-weiter
    Viel Erfolg dir weiterhin mit deinen ANlage
    Grüße
    Thomas

  2. Danke Thomas. Super Blog, wenn ich den nur schon früher gefunden hätte :). Könntest du mehr über Bondora 2019 schreiben oder hab ich das übersehen. Was ist da passiert? Ende 2018 hat’s ja mit 13% noch gut ausgesehen. Jetzt wird bei dir Bondora mit 2-3% fast ganz unten in der Liste angezeigt. Why? LG

  3. Danke für dein Lob – freut mich 🙂
    Bondora Klassik ist halt sehr speziell ohne ein langen Anlagehorizont (min 4 Jahre) kann das nur schief gehen (wenn man die ausgefallene bzw. das Portfolio leichtfertig an Bondora überträgt oder zu billig auf dem Zweitmarkt verkauft). Die Ausfallraten sind sehr hoch und das Recovery greift auch erst nach 2-3 Jahren. So lange man Geld nachlegt merkt man davon erstmal gar nichts da bleibt die Rendite ständig hoch. Wenn man nur noch reinvestiert sinkt sie auch nur leicht. erst wenn man Geld abzieht macht sich das dann nach >6 Monaten deutlich bemerkbar. Auch die Kreditauswahl ist sehr wichtig mit den Esten konnte man bislang immer Geld verdienen mit Spaniern eigentlich nie mit Finnen je nach Jahr…. Wie sich mein Portfolio zusammensetzt habe ich ja hier mal aufgeschrieben: http://p2p-game.com/bondora-jahresrueck-ein-kritischer-blick-wie-nun-weiter
    Durch Go&Grow habe ich versehentlich nach einem Jahr aufgehört zu reinvestieren und wenig später dann auch angefangen zu entsparen in meinen Statusreports habe ich das dann auch immer wieder aufgezeigt wie es sich entwickelt hier der letzte: http://p2p-game.com/p2p-portfolio-report-2019-q4-3v3-die-7-highflyer-plattformen-rendite-stark-klein-und-fein#Bondora_Klassik_Portfolio Ich schwanke immer wieder ob ich nicht doch noch mal ein normales Portfolio bei Bondora aufmachen soll oder nicht denke aber nur mit Strategie und Pflege kann das erfolgreich werden (würde schon >10% sehen wollen) wobei mehr als 6,75% sollten bei einem guten Mix trotz allem drin sein 😉

Schreibe eine Antwort

Theme von Anders Norén

Blogheim.at Logo